Fremd(enfeindlich) in der eigenen Partei

Bremer Jusos distanzieren sich von Thilo Sarrazin und seinen fremdenfeindlichen Äußerungen in der Öffentlichkeit und halten die Schlussfolgerungen seines neuen Buches „Deutschland schafft sich ab“ für falsch.

[Bremen] Zurecht bemerken Sozialdemokraten im gesamten Bundesgebiet, dass Thilo Sarrazin nach seinen wiederholten Versuchen, „Klartext“ bezüglich der Zuwanderung in Deutschland zu sprechen, Ideale der SPD verrät und der Partei schadet. Sarrazin reiht sich mit seiner Vererbungslehre in eine rassistische Tradition ein, die in der Topographie des Terrors dokumentiert ist. Er unterstellt, MigrantInnen seien dumm, würden dies über ihre Fruchtbarkeit exponentiell vererben und das deutsche Volk so verdrängen und kulturell zugrunde richten. Dieser Mann beleidigt die Ideale und auch die Historie der SPD und muss die Partei verlassen.

Das Perfide ist seine Methode als Tabu-Brecher, sein Buch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit propagandistischem und dem Reiz-Reaktionsschema entsprechendem Schwarz-Weiß-Denken macht er über den Axel Springer Verlag und Andere gleichzeitig kostenlose PR für rechte Gruppen. „Dem Bundesbanker, der sich auf den Führungsetagen der Republik bewegt, scheinen die Zahlen, die ihn täglich umgeben, zu Kopfe gestiegen zu sein“ empfindet der Juso-Vorsitzende Falk Wagner.

Zu den falschen Schlussfolgerungen gehört auch Sarrazins Annahme, „rechte populistische Bewegungen“ seien die Folgen von „unhistorischen, naiven und opportunistischen“ staatlichen Versuchen, die Migrationsströme zu regeln. Sarrazin will den Eindruck erwecken, dass Ausländer – namentlich Muslime – daran Schuld seien, dass die Staatskassen leer sind. Zu Zeiten der Krise, in denen Banker und Börsenspekulanten ganze Staaten an den Rand des Bankrott führen, um sich dann durch die BürgerInnen – egal ob „deutsch“, muslimisch oder atheistisch – retten zu lassen, erscheint diese Logik wie blanker Hohn. Vorstandsmitglied Delvin Collier findet, dass „diese vorsätzlich falsche Meinungsmache uns in der Integrationspolitik um Jahrzehnte zurückwirft. Für junge Politiker, insbesondere mit Migrationshintergrund, ist das unerträglich!“

Die Bremer Jusos setzen sich für eine humane und respektvolle Migrations- und Integrationspolitik ein, die auch die reale Lebenswirklichkeit der Menschen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben, nicht außer Acht lässt und fordern den Parteiausschluss Sarrazins.

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