Kein Forschen, um zu Schießen!

Bremer Bündnis kämpft gegen Rüstungsforschung und Stiftungsprofessuren
Mit der Annahme einer Stiftungsprofessur im Bereich Weltraumforschung löste die Bremer Uni vor kurzem eine Protestwelle aus, mit der sie wohl kaum gerechnet hatte. Hintergrund: Die Professur bezahlt auf zehn Jahre das Ehepaar Fuchs, Besitzer der Bremer Satellitenschmiede OHB. Das Unternehmen, dessen Produkte auch zur militärischen Aufklärung eingesetzt werden, ist bereits seit langem Kooperationspartner des Bremer Uni-Rektorats. Im Sommer 2009 erhielt das Ehepaar Fuchs die Ehrenbürgerschaft der Universität. Von linker Seite hagelte es bereits damals Kritik. Die Uni-Leitung hielt dennoch an ihrem Kurs fest.
Vor wenigen Monaten beantragte die studentische Liste AStA für Alle (AfA) im Akademischen Senat erfolglos, die Zivilklausel zu erneuern. In diesem Beschluss von 1986 verpflichtet sich die Uni selbst, „jede Beteiligung von Wissenschaft und Forschung mit militärischer Nutzung bzw. Zielsetzung“ zu unterlassen. Daran, so die Kritik der studentischen VertreterInnen, werde sich aber immer weniger gehalten. Kurz darauf eine Professur von eine Stiftungsprofessur in Weltraumforschung von einem Unternehmen für Militärsatelliten anzunehmen – für die Aktiven an der Uni ein Affront.
Nun organisierte das Bremer Friedensforum zusammen mit dem AStA eine Erklärung: 63 HochschullehrerInnen und WissenschaftlerInnen und die AStA-Vorsitzende äußerten sich darin besorgt über die Beteiligung der Uni an Rüstungsforschung und die zunehmende Abhängigkeit der Forschung von Wirtschaftsgeldern. Zur Überraschung der VeranstalterInnen wie der Universitätsleitung fand die Erklärung Medienecho in der ganzen Republik. Der Uni-Rektor Wilfried Müller erklärte die Vorwürfe im Fernsehen sichtlich entnervt als „unhaltbar“. Den Vogel aus friedenspolitischer Sicht schoss aber zweifelsfrei der Dekan des Fachbereichs Produktionstechnik ab, der verlauten ließ, jedem müsse nun mal klar sein „dass auch die Menschenrechte immer wieder mit Waffengewalt geschützt werden müssen“.
Nach einer Versöhnung sieht es also nicht aus. Für uns Bremer JungsozialistInnen steht in der Zwischenzeit fest:
1.      Es ist eine alte Weisheit: wess’ Brot ich ess, dess’ Lied ich sing. Die Forschung aber ist für die Bedürfnisse der Gesellschaft da und nicht für die Profitlogik der Privatwirtschaft. Forschung und Lehre muss öffentliche Aufgabe sein!
2.      Die Hochschullandschaft muss aus Steuermitteln endlich besser ausgestattet werden. Zur Besteuerung ist privates Vermögen offensichtlich genügend vorhanden.
3.      Die Wissenschaft steht für uns in einer Verantwortung vor der Gesellschaft. Forschen, um zu Schießen, gehört nicht dazu. Wir unterstützen deshalb Forderungen wie die Veröffentlichung sämtlicher Forschungsergebnisse, um Profitstreben von Unternehmen und militärische Vorteile von Konfliktparteien unmöglich zu machen.

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