"Man braucht keine V-Männer, um zu wissen, dass diese Partei verboten gehört"

Die Formen haben sich verändert, doch die Inhalte der Nazis die Gleichen geblieben. Das ist einer der Punkte, die im Gespräch zwischen Hans Koschnick und Norbert Schepers am gestrigen Abend deutlich geworden sind. Im Jugendzentrum Findorff sprachen die beiden Diskutanten über alte und neue Strategien von Nazis, über ihre persönlichen Erfahrungen und über ein NPD-Verbot. Durch den Abend führte Janne Herzog, stellvertretende Vorsitzende der Jusos im Unterbezirk Bremen-Stadt.

Den Einstieg gab eines der jüngsten „Werke“ der NPD Bremen: Ein animierter Wahlwerbespot, in dem ein Vergleich von der Geschichte der amerikanischen Ureinwohner zu einer vermeintlich drohenden „Überflutung“ Deutschlands mit Einwanderern hergestellt wird. Der Film versucht gezielt Jung- und Erstwähler anzusprechen, in Stop-Motion, mit Figuren als Akteure, die an die Bevölkerung von Modellbahnlandschaften erinnern, wird ein paranoides Untergangsszenario konstruiert.  Hans Koschnick spricht der Film nicht an: „Uns hätte mit sowas keiner hinter dem Ofen hervor gelockt.“

Das Terrorregime der alten Nazis haben er und seine Familie am eigenen Leib erfahren. Von Anfang an protestierten seine Eltern gegen die Nazis und leisteten Widerstand, was erhebliche Konsequenzen mit sich brachte. Er selbst wuchs deshalb überwiegend bei seinen Großeltern auf. Nach den Erfahrungen dieser Zeit war für ihn und seine Generation klar: „Nie wieder Krieg, nie wieder Nazis.“

Der Film ist ein Beispiel, wie die sich Nazis von heute aller gängigen Medien bedienen, um vor allem junge Menschen in ihre Fänge zu kriegen. Norbert Schepers – als Pressesprecher des antifaschistischen Bündnisses „Keinen Meter“ auf dem Gebiet Rechtsextremismus mehr als bewandert – beschreibt , wie Nazis jugendliche Subkulturen regelrecht infiltrieren und ihre Stilmittel aufgreifen, um die menschenverachtenden Botschaften zu transportieren. Rappende Nazis sind da keine Seltenheit.  „Wir haben es da nicht mehr nur mit dem klassischen Stiefelnazi zu tun. Das ist keine  homogene Masse mehr“, so Schepers.

Auch die alten Nazis haben versucht sich in allen Gesellschaftsbereichen zu etablieren. Am Ende dieses Prozesses stand die Gleichschaltung des öffentlichen Lebens. Zur Mitgliedschaft in der HJ wurde Koschnick gezwungen. Eine braune Uniform hat er jedoch nie getragen. Er ist der Überzeugung, dass man den Nazis keinen Raum lassen darf, der anschließend beispielsweise  mit Sommer- oder Kinderfesten der NPD gefüllt wird. Schepers, ansonsten ein Skeptiker, wenn es um das Verbieten geht, ist mit ihm einer Meinung: „Wir brauchen ein NPD-Verbot.“

„Die NPD ist keine normale Partei“, das sagt Schepers jedem, der argumentiert, dass die Rechtsextremen dieselben Rechte wie jede andere Partei hätten und man sie deshalb gewähren lassen müsste. Doch die NPD bekenne sich offen zum historischen Nationalsozialismus und knüpfe inhaltlich genau daran an. Deshalb ist für ihn klar: „Man braucht keine V-Männer, um zu wissen, dass diese Partei verboten gehört.“

Hans Koschnick und Norbert Schepers bekennen sich wie die zahlreichen Stimmen aus dem Publikum, die sich an diesem Abend zu Wort melden und von ihren eigenen Erfahrungen berichten, zu einer offenen, toleranten und vielfältigen Gesellschaft. Eine Gesellschaft in der Ausgrenzung und Rassismus keinen Platz haben.

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