MLP & Co. – was steckt hinter den Karrierehelfern?

MLP & Co. – was steckt hinter den Karrierehelfern? Zu diesem Thema haben wir Jusos Bremen-Stadt eine Mitgliederversammlung mit Arno Gottschalk, Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, veranstaltet. Der Finanzexperte berichtete darüber, mit welcher Masche Finanzdienstleistungsunternehmen wie MLP vorgehen, um Studierende als KundInnen für Versicherungsverträge zu gewinnen.

Diese Unternehmen werben oft an Hochschulen mit ihrem kostenlosen Beratungsangebot, wie z. B. Rhetoriktrainings. Die Finanzdienstleister finanzieren sich durch die erhaltenen Provisionen bei Vertragsabschlüssen, die um die 8 % der Auszahlungssumme ausmachen. Sie vermitteln die Versicherungen von Versicherungsgesellschaften. „Das scheinbare kostenlose Beratungsangebot, das vor Abschluss einer Versicherung stattfindet und auch die Trainings werden damit vom Kunden selbst bezahlt“, so Gottschalk.

Akademiker seien eine lukrative Zielgruppe, denn durch das meist schnell wachsende Einkommen nach Abschluss eines Studiums, böten sich Finanzmittel für weitere Versicherungen, die durch den Finanzdienstleister durch umfassende Beratungen vermittelt werden könnten. So werde versucht, Studierende schon während des Studiums gezielt anzuwerben.

Es werden unter anderem Berufsunfähigkeitsversicherungen in Kombination mit einer Rentenversicherung als Geldanlage angeboten, die nach Abschluss eines Vertrages zunächst mit niedrigen Beitragszahlungen für die Studierenden starten. Im Laufe der Jahre steige die Beitragsentwicklung rasant an, sodass bis zu 600-800 € an Beiträgen pro Monat gezahlt werden müssen. Der Ausstieg aus einer solchen Versicherung gestalte sich als schwierig und ist mit finanziellen Verlusten verbunden, da bereits geleistete Beiträge nicht an den Kunden zurückfließen.

„An sich ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung keine schlechte Sache, denn eine Absicherung mit 60 % des letzten Lohns bei Eintritt einer fortdauernden Berufsunfähigkeit durch eine gesetzliche Rentenversicherung ist durch Reformen weggefallen. Jetzt muss jeder privat vorsorgen.“, so Gottschalk. „Heutzutage wird jeder dritte bis vierte Arbeitnehmer berufsunfähig, meistens durch psychologische Erkrankungen. Wenn man sich mit der Thematik auseinandersetzt, dann sollte eine solche Versicherung frühestens kurz vor Ende des Studiums abgeschlossen werden – bei einem seriösen Anbieter. Und dann nicht in Verbindung mit einer Rentenversicherung oder einer anderen Geldanlage.“, Gottschalk weiter. Denn diese seien völlig unpassende Angebote für junge Menschen im Studium, auch der Abschluss einer Rentenversicherung empfehle sich ein späterer Zeitpunkt als das Studium. Hier sollte das Geld für bessere Investitionen, wie z. B. für ein Auslandssemester, genutzt werden.

Wir Jusos sprechen uns für weitere Maßnahmen gegen diese Werbemethoden aus: Präventiv biete es sich an, dass zum Beispiel die Verbraucherzentrale Bremen in den jetzt anstehenden Orientierungswochen an den Hochschulen mit einem Stand vertreten sein könnte, wo wichtige Aufklärungsarbeit geleistet werden könnte. Weiter ist die Entwicklung einer Anfrage an den Senat geplant. Wir werden dabei mit dem Asta für Alle (AfA) der Universität Bremen sowie die Juso-Hochschulgruppe der Hochschule Bremen zusammenarbeiten.

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