Dauer: 76 Minuten

Produktion: leftvison e.V.

Bewertung: *****

Kurz gesagt befasst sich«Hamburger Gitter« mit den Geschehnissen um den G20-Gipfel und die anschließende Aufarbeitung. Aber ganz bringt es das nicht auf den Punkt.



Wie der Untertitel »Schaufenster moderner Polizeiarbeit« bereits erahnen lässt, stellt der Film die Frage: Ist das Vorgehen der Polizei in Hamburg eine Blaupause für den zukünftigen Umgang der Polizei mit Demonstrationen und Kundgebungen? Der Film arbeitet sich an vielen Interviews mit Aktivist*innen, Politiker*innen und Expert*innen entlang und beleuchtet aus dieser Perspektive die Geschehnisse und was sich daraus für Rückschlüsse auf die strategische Aufstellung der Polizei gezogen werden können, gut unterfüttert mit Fakten und Zahlen zum Gipfel und zur Ermittlungsarbeit der Polizei.

Der Film ist sicher keine »neutrale« Aufarbeitung aller Ereignisse vor, während und nach dem Gipfel im strengen Sinne, aber das ist nach den Vorkommnissen rund um den Gipfel wohl kaum möglich, und auch das macht der Film klar. Es wird schonungslos gezeigt wie Polizist*innen gegen Presse und Pressefreiheit vorgingen, systematisch und nicht bloß in Einzelfällen. Gleichzeitig wird auch die Rolle der Medien während und nach dem Gipfel kritisch hinterfragt. Dazu äußert sich z. B. Heribert Prantl (Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung):

Die Einordnung, die Prüfung, die Bewertung, die Analyse, all das was den Journalismus zum Qualitätsjournalismus macht, findet nicht mehr statt. Und dann kommt als Rechtfertigung: Wir übernehmen ja Polizeibewertungen. Wir sind nicht dafür da Polizeibewertungen zu übernehmen.

Heribert Prantl

Was im Film außerdem vorkommt: Kritische Stimmen aus der Polizei, die in der Vergangenheit leider viel zu leise waren. So kommt beispielsweise Rafael Behr (Prof. an der Akademie der Polizei Hamburg) zu Wort:

Das jetzt ein großes Maß an Selbstkritik stattgefunden hätte, oder Reflektion des Einsatzes, auch hinsichtlich der Tatsache was haben wir falsch gemacht, wo haben wir Fehler gemacht, jetzt nicht nur technische Fehler, sondern auch juristische oder moralische Fehler, das findet im öffentlichen Raum so nicht statt.

Prof. Dr. Rafael Behr

Im Fazit ist »Hamburger Gitter« ein durch und durch sehenswerter Film. Künstlerisch und inhaltlich sehr gut gemacht und empfehlenswert für alle sicherheitspolitisch Interessierten und Menschen, die es interessiert was aus ihren Grund- und Menschenrechten wird. »Hamburger Gitter« ist ein Weckruf zum politischen Widerstand gegen Politik und Gesellschaft, die Polizeigewalt und Hochrüstung Alltag werden lässt – sehenswert.

(Autor: Sebastian Schmugler)