Von Aaron Thatje.

Am 13. August fand zusammen mit dem VVN-BdA unsere Führung durch den U-Boot-Bunker »Valentin« in Bremen-Nord statt. Über 50 Menschen aller Altersklassen fanden sich ein, um an der Veranstaltung teilzunehmen.

Der Bunker steht symbolhaft für den Größenwahn des Nazi-Regimes, das in Bremen-Nord den flächenmäßig größten Bunker ganz Deutschlands errichtete. Über eine Fläche von 35,375 m² wurden 32.000 Tonnen Zement und 20.000 Tonnen Stahl verbaut. Die bis zu 7 m dicke Decke sollte die Produktion vor Luftangriffen schützen. So gesichert sollte nach Fertigstellung alle 56 Stunden ein U-Boot für den Krieg im Atlantik vom Stapel rollen.

Über eine Fläche von 35,375 m² wurden 32.000 Tonnen Zement und 20.000 Tonnen Stahl verbaut. Die bis zu 7 m dicke Decke sollte die Produktion vor Luftangriffen schützen. So gesichert sollte nach Fertigstellung alle 56 Stunden ein U-Boot für den Krieg im Atlantik vom Stapel rollen.

Die nahende vollständige Niederlage konnte die Nazis nicht davon abhalten, den Bau voranzutreiben. Die Alliierten ließen dies zu, um Material im Bunker zu binden, beendeten das Ganze jedoch am Ende schnell mit bis zu 10 Tonnen schweren Bomben, die zwei gewaltige Löcher in die Decke des Bunkers rissen. Die Bauarbeiten wurden am 30. März 1945 vollständig eingestellt und kein U-Boot konnte im Bunker jemals gebaut werden.

Der lange als 8. Weltwunder und Wunderwerk deutscher Architekturkunst verherrlichte Betonklotz ist ein Mahnmal für die menschenverachtende Politik der Nazi-Diktatur, die Menschen als bloßes Arbeitsmittel ansah, das beliebig geschunden werden konnte.

Bis zu 10.000 Menschen mussten täglich in Zehn-Stunden-Schichten auf der Baustelle arbeiten, darunter KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten. Zwischen 2.000 und 6.000 Menschen kamen durch die unerträglichen Bedingungen auf der Baustelle, durch Unterernährung und physische Erschöpfung ums Leben.

Lange Zeit fand keine Auseinandersetzung mit der blutigen Vergangenheit des Bunkers statt. Da eine Sprengung nicht möglich war – die nötige Menge Sprengstoff hätte auch die umliegende Infrastruktur zerstört –, stand eine »pragmatische« Nutzung des Gebäudes im Vordergrund. Nachdem weder die Umwandlung in ein Atomkraftwerk oder ein Depot für amerikanische Atomwaffen noch die Aufschüttung eines Hügels mit einem  darauf zu bauenden? Café umgesetzt wurde, fiel der Bunker der Bundeswehr in die Hände, die ihn prompt zum militärischen Sperrgebiet erklärte und als Marinedepot nutzte. Während dieser Zeit verschwand der nun für geheim erklärte Bunker von den Landkarten.

Erst in den 1980er begann die Aufarbeitung der Geschichte der am Bau beteiligten Zwangsarbeiter und erst seit dem 8. Mai 2011 (Jahrestag der Befreiung vom Nazi-Regime) ist der Bunker der Öffentlichkeit als Gedenkstätte zugänglich. Die Überlebenden der Zwangsarbeit am Bunker wurden jedoch erst Jahrzehnte später von der Bundesregierung und den beteiligten Unternehmen in verschwindend geringer Höhe für ihr Leid entschädigt – wenn sie zu diesem Zeitpunkt nicht schon verstorben waren.

Ein Besuch der Gedenkstätte zeigt immer wieder aufs Neue, zu welch schrecklichen Taten menschenfeindliche Ideologien wie die der Nazis fähig sind. Auch aufgrund des immer weiter fortschreitenden Rechtsrucks in der heutigen Gesellschaft ist es wichtig, sich ins Gedächtnis zu rufen, wozu Faschismus führen kann und welches Glück wir haben, heute in Frieden und Demokratie leben zu können. Diese Errungenschaften gilt es zu erhalten und zu verteidigen, nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit!

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!