Dieser Antrag wurde auf der Landesmitgliederversammlung der Jusos Land Bremen am 26. September 2026 beschlossen.
Wir alle sind hochabhängig von digitalen Systemen, die in der Regel von Organisationen mit kommerziellen (und oft hochproblematischen) Interessen betrieben werden. Aber auch die Umstellung auf ‚bessere‘ Alternativen wie Bluesky, Signal oder auch das jüngst beworbene Wire ersetzt nur eine Abhängigkeit durch die andere, weil es sich nach wie vor um geschlossene Systeme handelt.
Dadurch machen Lock-in-Effekte den Wechsel von einer Plattform zu einer anderen für Nutzer:innen unattraktiv. Die Förderung tatsächlich alternativer Modelle, die einen offenen Ansatz verfolgen, statt Nutzer:innen auf einer Plattform ‚einzusperren‘ sollte daher nicht Einzelnen überlassen werden.
Während die SPD mit einem eigenen Server auf dem Microblogging-Dienst Mastodon als Teil des Fediverse bereits einen ersten Schritt in diese Richtung unternommen hat, fehlt Vergleichbares im Bereich von Messenger-Apps. Zeit daher, diese Lücke zu schließen.
Forderungen:
1) Die Einrichtung eines Matrix-Servers der SPD auf Landes- bzw. Bundesebene. Dort sind die größte Expertise und die nötigen Ressourcen vorhanden, um die Anforderungen an den Server bei der Nutzung (speziell im Bereich Sicherheit) zu definieren und umzusetzen.
2) Ein großer Fokus soll auf Zugänglichkeit und einfacher Nutzbarkeit liegen, um den Einstieg auch für Menschen einfach zu gestalten, die bisher keine Erfahrung mit vergleichbaren Systemen haben. Dazu sollte ggf. auch ein Support eingerichtet werden.
3) Der Server soll in Deutschland stehen, um vor dem Zugriff durch Sicherheitsorgane anderer Staaten geschützt zu werden und ausreichenden Datenschutz (DSGVO-Konformität) zu gewährleisten.
4) Die Nutzung von Matrix bzw. damit verbundenen Messengerdiensten und dem SPD-Server zur Organisation von Parteiveranstaltungen anstelle von Diensten wie Telegram.
Begründung:
Matrix ist ein offenes, freies Kommunikationsprotokoll für Instant-Messenger. Während etablierte Angebote in diesem Bereich wie WhatsApp, Signal, Telegram oder Wire nur innerhalb der jeweiligen App genutzt werden können, verfolgt Matrix einen anderen Weg: ähnlich wie im Fediverse wählt man beim Registrieren einen Homeserver, ist danach aber frei, über unterschiedliche Messaging-Apps und mit unterschiedlichen Servern zu schreiben, wenn diese ebenfalls das Matrix-Protokoll nutzen.
Dieses System bietet verschiedene Vorteile:
Mehr Souveränität, weniger Abhängigkeit: Anders als bei den erwähnten Messengern bin ich bei Matrix an keine einzelne App gebunden und damit unabhängig von einem Anbieter. Zwar besteht weiterhin eine gewisse Abhängigkeit vom Matrix-Protokoll, allerdings wird dieses als freie Software entwickelt und untersteht somit nicht der Kontrolle einzelner Konzerne oder Staaten mit zweifelhaften Zielen.
Mehr Sicherheit: ein eigener Server bedeutet auch eigene Kontrolle. Während zentrale Server auf den o.g. Messengern meist in anderen Ländern stehen und damit stärker dem Zugriff der jeweiligen Regierung oder Sicherheitsorgane ausgesetzt sind, ist ein in Deutschland stehender SPD-Server besser geschützt.
Mehr Komfort: Um den Anschluss nicht zu verlieren, muss man sich momentan immer wieder für neue Apps anmelden, weil innerhalb des einen Kreises der eine und im nächsten ein anderer Messenger genutzt wird. Untereinander kompatible Messaging-Apps vermeiden dieses Problem. Einen großen Schritt in diese Richtung könnte ein SPD-Server darstellen.
Mehr Tempo: Zwar wird auf EU-Ebene bereits versucht, das Problem von Lock-in-Effekten anzugehen und die Plattformen zu mehr Interoperabilität zu zwingen. Allerdings eher mit Fokus auf Soziale Medien als Messengerdienst – dort ist noch keine allgemeine Lösung in Planung. Aber auch unabhängig davon ist nicht mit einer schnellen Lösung zu rechnen. Demgegenüber ist ein eigener Server ein vergleichsweise schneller und einfacher Beitrag, um Abhängigkeiten zu verringern.
