Beschwerde- und Kritikphase

Bevor wir mit dem Bauen von Luftschlössern beginnen wollen, müssen wir erst einmal sammeln, was uns genau stört. Dafür ist jetzt die Zeit: Ob negative Erfahrungen oder vorhandene Befürchtungen, jetzt könnt ihr euch hier auskotzen!

Das Problem betrifft uns alle auf unterschiedliche Art und Weise, deswegen wollen wir hier alle Perspektiven sammeln, um am Ende ein besseres Gesamtbild zu haben. Alle Beiträge werden ernstgenommen!
Am Ende werden wir alles noch einmal ordnen und hier darstellen.

Hier aber auch noch mal der Hinweis, dass wir Lösungsmöglichkeiten erst in der nächsten Phase sammeln werden! Wir freuen uns, wenn euch eure Ideen schon unter den Nägeln brennen, aber wartet diese Punkte bitte für die nächste Phase ab.

Viel Spaß!


Das habt ihr uns geschrieben!

Eine Woche ist vergangen und ihr habt uns einige Kommentare darüber geschrieben, was euch stört und beschäftigt. Wir haben zur besseren Übersicht eure Beiträge einmal zusammengefasst und geordnet. Vielen Dank für eure Beteiligung!

Probleme bei der Wohnungssuche
  • Oft ist eine komplette Offenlegung der eigenen finanziellen Situation oder die der bürgenden Personen nötig.
  • Mit der Schufa ist man einem intransparenten und häufig willkürlichen System ausgeliefert.
  • Hartz-IV Empfänger*innen oder Menschen mit prekärem und/oder niedrigen Einkommen werden benachteiligt. Das trifft auch häufig Studierende oder Auszubildende.
  • Auch auf dem Wohnungsmarkt sind viele Menschen immer noch von Rassismus betroffen. Wer keinen “deutschen” Namen hat, wird schnell aussortiert und zu einer Wohnungsbesichtigung kommt es erst gar nicht. Menschen mit Migrationshintergrund werden insgesamt stark benachteiligt!
Steigende Mieten treffen uns alle!
  • Die Mieten sind zu hoch und steigen immer weiter!
  • Mieter*innen sind oft schlecht geschützt vor steigenden Nebenkosten (z. B. bei Luxussanierungen) oder haben nicht das nötige Wissen bzw. die Ressourcen, um sich zu wehren.
  • Wie ermöglicht man (umweltfreundliche) Sanierung, ohne die Mieter*innen stärker zu belasten?
  • Kautionen sind oft zu hoch und überzogen. Die Zahlen gehen nicht selten ins Vierstellige!
  • Mietpreise, die auch vom Jobcenter bezahlt werden, gibt es in der jeweiligen Stadt nicht. Ähnliches gilt für den Bafög-Betrag für Wohnkosten.
Der Wohnungsmarkt funktioniert nicht – zumindest nicht für Mieter*innen!
  • Es gibt einfach zu wenige bezahlbare Wohnungen für zu viele Menschen. Während viele Menschen eine Wohnung suchen oder sogar wohnungslos sind, existiert weiterhin Leerstand.
  • Dazu kommen immer wieder vertane Chancen beim Wohnungsbau (z.B. beim Rennbahngelände).
  • Der Wohnungsmarkt liegt momentan in der Hand des Kapitals, während der staatliche Wohnungsbau durch Sparzwang und marode öffentliche Finanzen stark geschwächt ist. Dadurch entstehen häufig nur hochpreisige Wohnungen.
  • Es stellt sich die Frage, ob Menschen/Unternehmen überhaupt Geld mit Wohnraum verdienen dürfen sollten.
  • Häufig sind die Wohnungen großer Konzerne (z. B. Vonovia) in einem sehr schlechten Zustand
  • Die großen Unterschiede zwischen den Mietpreisen in den unterschiedlichen Stadtteilen führe zu starker Segregation und zu einer drohenden Spaltung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen
Persönliche Probleme mit dem Vermieter oder der Vermieterin
  • Generell besteht ein starkes (Macht-)Ungleichgewicht zwischen Mieter*in und Vermieter*in. Erstere fehlt es an einer Interessenvertretung.
  • Bei vielen Vermieter*innen besteht reines Gewinninteresse und der*die Mieter*in wird bloß als notwendiges Übel gesehen.
  • alltägliche Probleme mit Vermieter*innen
    • schlechter Erreichbarkeit
    • Probleme mit der Kaution
    • Sanierungen werden verschleppt
Sonstige Probleme

Außerdem habt ihr dubiose Steuersparmodelle zur Umgehung der Grunderwerbssteuer kritisiert. Ein Punkt, der natürlich eng mit dem Problem der Spekulation auf dem Wohnungsmarkt einher geht. Wohnraum wird nicht als Recht sondern als Anlageobjekt gesehen.


Wie geht’s jetzt weiter?

Danke für diese vielen Beiträge! Damit es nicht dabei bleibt, geht’s jetzt in die nächste Phase. Wir wollen von euch wissen, was eure Vision für eine gerechte Welt ist. Wie würde eure perfekte Welt aussehen, in der es diese Probleme nicht geben würde? Ob diese Visionen unter den gegebenen Verhältnissen realistisch sind, ist in der nächsten Phase erst einmal egal. Um die Umsetzung und die “Realität” kümmern wir uns in der dritten Phase.

Eure Beiträge dazu sammeln wir hier. Viel Spaß!

10 Kommentare zu "Beschwerde- und Kritikphase"

  1. Hallo liebe andere Jusos!
    Was mich wirklich sehr stört am Mietwahnsinn ist, wie eine Bewerbung um eine Wohnung abläuft. Gerade als studierende Person, die über kein eigenes Einkommen verfügt, musst Du nicht nur Dich selbst finanziell komplett nackig machen sondern oft auch die finanzielle Situation Deiner Eltern, oder wer auch immer für Dich bürgt, durch die ganze Welt posaunen, damit Du eine Wohnung findest. Dabei kommt es nicht selten dazu, dass Kinder von selbstständigen Eltern stark benachteiligt werden.
    Auch die SCHUFA-Auskunft ist mit ihrem Scoring-System mehr als datentechnisch fragwürdig, so auch die Meinung von Experten (übersichtliche Infos beispielsweise auf: https://www.kredit-markt.eu/schufa/schufa-kritik/). Personen, die sich dem SCHUFA-System jedoch verweigern, müssen riskieren, keinen Wohnraum zu erhalten. Das geht doch nicht!
    Ich plädiere daher dafür, dass einfache Mietschuldenfreiheitserklärungen und ggf. oberflächliche Informationen über Finanzierungsquellen ausreichen, um eine Wohnung zu erhalten.

    1. Hallo Ricarda,
      das mit dem SCHUFA-System finde ich auch mehr als problematisch! Die Richtlinien nach denen da vor allem junge Menschen bewertet werden ist mehr als intransparent. Da können einen schnell ziemlich viele Wege verbaut werden und man weiß noch nicht mal genau, wer und warum das so entschieden hat.

  2. Ich muss sagen, dass ich ehrlich gesagt ein generelles Problem damit habe, dass Menschen Profit mit Wohnraum machen. Natürlich müssen viele (private) Vermieter*innen Kredite abbezahlen und sind deswegen mehr oder weniger auf regelmäßige Mietzahlungen angewiesen. Trotzdem finde ich einfach nicht, dass Wohnraum eine Altersvorsorge sein sollte, die am Ende hoffentlich eine schöne Rendite abwirft. Dafür sollte es andere Möglichkeiten geben, die nicht auf der Existenz anderer Menschen beruhen.

    Noch schlimmer ist es natürlich bei den großen kommerziellen Anbietern! Wohnraum, etwas worauf Menschen einfach angewiesen sind, wird da zum Spekulationsobjekt. Wer in der Wohnung lebt ist egal. Vor allem die deutsche Wohnen und Vonovia sind da gute Beispiele für. Vonovia hat gezeigt, dass der Konzern häufig gar nicht daran interessiert ist guten Wohnraum bereitzustellen, man muss sich ja nur mal die Schrottimmobilien angucken, die die GEWOBA übernommen hat. Die Mieter*innen werden einfach mehr als schlecht behandelt.

    Als wäre das nicht genug, kommen noch diese ganzen Praktiken wie überhöhte Nebenkostenabrechnungen und Luxussanierungen, mit denen das letzte Geld aus den Mieter*innen herausgepresst wird.

  3. Konkurrenz unter potentiellen Mieter*innen auf Wohnungssuche und am Ende bekommen oft nicht diejenigen, die am dringendsten suchen die Wohnung, sondern diejenigen, die auf dem Papier am besten aussehen (Einkommen, Alter, Herkunft). Das geht eigentlich schon in der Phase vor Besichtigungen los.

    Sanierungen für umweltfreundlicheres Wohnen noch attraktiver machen, auch um Mieter*innen vor hohen Nebenkosten (durch Ölheizungen bspw.) zu schützen

  4. Allein die Idee, mit dem Raum, wo andere Leute wohnen, möglichst hohen Gewinn zu machen, finde ich problematisch. Und das nimmt ganz verschiedene Formen an. Luxussanierungen auf der einen Seite und total abgewrackte Häuser, um die sich niemand kümmert, auf der anderen (das Amt zahlt ja Miete). Apropos Amt: Man kann auch mal darüber reden, dass die Miete, die vom Jobcenter bezahlt wird, in den meisten Städten so niedrig ist, dass eine entsprechende Wohnung da einfach nicht existiert.
    Es geht mir aber auch darum, wie große Firmen beim Verkauf von Immobilien Steuern sparen. Solange sie nicht die Immobilien an sich sondern Anteile einer Firma, die die Immobilien besitzt, verkaufen, müssen sie keine Grunderwerbsteuer bezahlen (https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-fiskus-geht-bei-bremer-immobiliendeal-leer-aus-_arid,1897546.html). Damit werden normale Mieter*innen doppelt beschissen: Erstens sind die Mieten viel zu hoch, und würden sie sich Wohneigentum zulegen wollen, müssten sie mehr Grunderwerbsteuer zahlen, als die großen Firmen, nämlich überhaupt welche.

  5. Die Mieten steigen immer weiter. Zwar sind die Mieten in Bremen noch nicht (wie in Berlin, München…) explodiert, allerdings steigen die Preise für Wohnraum auch hier. Gleichzeitig wachsen die Städte.
    Dagegen hilft nur eins: mehr (staatlicher) Wohnugsbau! Der Markt (liebe FDP) regelt es eben nicht alleine.

    Unverständlich ist dann aber auch, das beste Gelegenheiten großflächig zu bauen, wie bei dem Rennbahngelände, ständig durch den massiven Widerstand einiger Bürger*innen verhindert werden. Das ist einfach nur ignorant denjenigen gegenüber die eine zu teure Wohnung bezahlen müssen oder dringend eine bezahlbare Wohnung suchen!

  6. Ich finde das Ungleichgewicht zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen unerträglich. Vielen Menschen sind in der aktuellen Gesellschaft gefangen in Zwängen – auf dem Arbeitsmarkt in ihrem schlecht bezahlten Job, in der Familie in konservativen Rollenbildern und eben auf dem Wohnungsmarkt dem Willen der Eigentümer*innen beinahe schutzlos ausgeliefert.
    Gehöre ich zu den Menschen, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen und peinlich genau drauf achten müssen, wie das Geld bis zum Ende des Monats gestreckt werden kann, dann bin ich der Willkür besonders schutzlos ausgeliefert. Kann ich mir eine Mieterhöhung wirklich nicht leisten, dann muss ich wohl ausziehen, finde ich dann überhaupt noch etwas bezahlbares? Oder gibt es nur bezahlbare, aber viel zu kleine Wohnungen für meine Familie? Und was passiert wenn ich meinen Job verliere (gerade jetzt in Corona-Zeiten besonders sichtbar), bezahlt das Amt meine Wohnung? Und wie soll ich dann eigentlich eine neue Wohnung finden, wenn in jeder zweiten Anzeige steht: “nur Deutsche, kein Hartz4” etc.?
    Daneben sind aber auch noch die alltägliche Problem mit Vermieter*innen. Wenn der Vermieter nicht selbst mit im Haus wohn, vielleicht nicht mal in der selben Stadt oder dem selben Land, warum soll er dann entscheiden wie oft das Treppenhaus geputzt wird, wie viele Mülltonnen zu Verfügung stehen und wie der Garten gestaltet werden soll? Er ist nicht betroffen und bezahlen müssen es am Ende die Mieter*innen über Umlagen.
    Kurzgefasst: Nicht nur Wohnraum und Eigentum gehört umverteilt, sondern auch die daran hängende Macht über andere Menschen.

  7. Zu den vielen bereits genannten Punkten finde ich es zudem wichtig, dass es in ALLEN Teilen der Stadt bezahlbaren Wohnungsraum gibt. Wenn einzelne Gruppen dieser Gesellschaft, beispielsweise vermögende Bürger*Innen, sich in “Gated Communities”-ähnlichen Wohnkomplexen zurückziehen oder sich in Siedlungen niederlassen, um “unter ihresgleichen” zu sein, erweckt dies den Eindruck einer Abschottung von der restlichen Gesellschaft und deren Problemen. In meinen Augen ist dies für das momentane und zukünftige gesellschaftliche Zusammenleben sehr gefährlich.
    Wohn- und Mietpolitik ist nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine gesellschaftliche Angelegenheit.

  8. Was man man nicht vergessen darf, dass man Rassismus auch bei der Wohnraum-Suche permanent begegnet. Wenn man einmal darüber nachdenkt, wie oft viele schon Menschen aufgrund ihres Nachnamens (der dann auch noch bei Absagen falsch ausgesprochen wird) scheitern, dann kann man sich denken, zu was für erheblichen Problemen das führen kann.

    Außerdem müsste man auch einmal schauen, wie man verhindert, dass sich verschiedene Klientel in bestimmten Stadtteilen absetzen.

  9. Wohnraum ist nach wie vor sehr knapp in den Großstädten. Die Corona-Krise könnte zwar die Machtverhältnisse etwas verschieben und z.B. für AirBnB missbrauchte Wohnungen wieder dem breiteren, Dauermiet-Markt zur Verfügung stellen. Gleichzeitig aber zieht niemand um, der nicht muss und wer doch muss, wird wohl Schwierigkeiten haben, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Jetzt zeigt sich auch, wie problematisch es ist, beim Wohnungsbau auf private Unternehmen zu setzen. Die Wohnungen sind oft sehr teuer, aber jetzt schwächelt der Markt. Nur der Staat ist in der Lage, weiterhin für neue Wohnungen zu sorgen.

    Ein anderes Problem ist die Kaution. Schon in normalen Zeiten kann es Menschen vor große finanzielle Schwierigkeiten stellen, 3 Monatsmieten (eine Zahl die oft weit in die Vierstelligkeit geht) auf unbestimmte Zeit dem Vermieter zu überlassen. Aktuell macht die Anwendung einer gängigen Kautionsregelung es für Menschen, die aktuell kein oder kaum Einkommen haben, unmöglich, ihren Wohnort zu wechseln.

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