Beschlusstext
Wir fordern, dass das deutsche Namensrecht geändert wird. Zukünftig muss es untersagt sein, als Namensbestandteile geführte „Adels“-titulierungen und -prädikate an die nächste Generation weiterzugeben. Die Folge muss sein, dadurch alle „Adels“-titulierungen und -prädikate – ähnlich wie schon in dem österreichischen „Adelsaufhebungsgesetz“ geregelt – endgültig abzuschaffen. Bei mehreren „Adels“-titulierungen wird der Name in einen Doppelnamen geändert.
„Adels“-privilegien bis heute
Wissenschaftliche Studien belegen immer wieder, dass Personen mit „Adels“-namen bei Bewerbungsverfahren bevorzugt werden. In einigen Bereichen wie dem diplomatischen Dienst ist sogar noch klar eine starke Präsenz erkennbar. Selbstverständlich lassen sich die „adeligen“ Netzwerke so nicht beseitigen, aber etwas eindämmen. Anonymisierte Bewerbungsverfahren lassen sie zwar auch etwas abfedern, aber stoßen meist bei exponierten Leitungspositionen an ihre Grenzen. Deshalb braucht es weitere Maßnahmen.
Es ist klar, dass sich die verfestigte soziale Ungleichheit nicht mit dem Namensrecht ändern lässt– dafür braucht es massive Umverteilung und verbesserte Bildungschancen –, aber wir können diese feudalistischen Spuren in unserer Gesellschaft nicht einfach ignorieren. Das hundertjährige Jubiläum bietet die Möglichkeit, endlich diesen überfälligen Schritt nachzuholen!
Karenzzeit von 100 Jahren reicht
Mit der Revolution von 1918/19 nutzten die damaligen Republikgründer*innen eine Chance nicht: Sie hätten nicht nur die Titel der privilegierten sozialen Gruppe des Adels in einen Nachnamenszusatz umwandeln können – sondern hätten gleich die gesamte „Adels“-titulierung streichen können. Diese Entscheidung bildet bis heute die Basis für den namensrechtlichen Umgang mit „Adels“-zusätzen. Leider hat diese Regelung Tor und Tür dafür geöffnet, diese Form des (angenommenen) sozialen und kulturellen Kapitals zur Schau zu stellen und so zum eigenen Vorteil einzusetzen.
Kaum bekannte Rechtslage
Bis heute führen diese Gesetzesgrundlage und die erfolgreiche Lobbyarbeit von „Adels“-verbänden dazu, dass diese Namenszusätze als Titel gebraucht werden. In vielgelesenen Boulevardblättern werden Fürst*in, Graf*Gräfin, Baron*in und Freiherr*Freifrau ganz selbstverständlich als Titel verwendet. In Empfehlungen für Anreden gibt es in der Regel spezifische Hinweise zu „Adels“-anreden. In Namenslisten taucht eine Person „von“ meist nicht unter „V“, sondern unter ihrem „eigentlichen“ Nachnamen auf. Der Namenszusatz wird also kurzerhand wieder zum Titel. Parallel verbietet das deutsche Vornamensrecht, „Adels“-titel als Vornamen zu vergeben. Das „Adels“-privileg ist in der deutschen Gesellschaft folglich nicht vollständig abgeschafft. Das müssen wir ändern!
Zukünftige Generationen ohne „Adels“-zusätze im Namen
Von niemandem müsste der Name plötzlich geändert werden. Schließlich müsste nur sichergestellt sein, dass er nicht an die nächste Generation vererbt wird. Auch die Tradition eines Namens kann problemlos weitergeführt werden, da der „eigentliche“ Nachname erhalten bleibt und nur die Zusätze verschwinden. Die identitätswahrende Wirkung ist somit ebenfalls gegeben. Zuletzt bestätigte der Europäische Gerichtshof die österreichische gesetzliche Regelung explizit.Wir sollten uns deshalb in bester republikanischer und antimonarchistischer Tradition der Sozialdemokratie diese Möglichkeit zunutze machen. Eine dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes folgende Begründung für diese „Adels“-namenszusätze kann es schlicht nicht geben.

Liebe Jusos in Bremen,
gibt es nicht genug andere Themen als die Drohung gegen vermeintlich privilegierte Menschen »seid froh, wenn wir euch nur den Namen nehmen?« Was kann man einem Menschen nehmen, wenn man ihm den Namen nehmen will? Die Identität. Da ist es völlig egal, ob man einem Herrn Kirschstein auf einmal den Namen Herr Kirsche verbindlich vorschreiben will oder ob man aus einer Frau Anna von Treuenfels auf einmal Frau Treuenfels oder Frau Treufel machen will. Lasst den Menschen die Identität, die sie haben. Wer selbst eine andere Identität möchte, kann seinen Namen ändern lassen.
Mischt euch nicht bei anderen ein auf deren Kosten und in deren persönliche Freiheit, wenn ihr nicht möchtet, dass euch gleiches geschieht. Seid tolerant. Es gibt Fälle, dass Menschen mit Namenszusatz von auch Nachteile haben, indem sie diskriminiert werden von Menschen, die glauben, die mit von wären mit einem Silberlöffel im Mund geboren worden. Jeder muss sich sein Glück selbst erarbeiten. Und wer mit Geschichte vertraut ist, weiß, dass ein Namenszusatz auch bedeuten kann, dass eine Person aus einem bestimmten Ort stammt oder aus einer bestimmten Landschaft, Beispiel Rainer von der Born. Mit adelig hat das nichts zu tun. Wollt ihr den auch als Rainer Born diskriminieren?
Vielleicht mögt ihr auch seinen Vornamen nicht und er soll künftig Rolf Born heißen?
Und warum sollen die Kinder von jemandem anders heißen müssen als ihre Eltern? Irgendwie hat die ganze Aktion etwas von Hexenjagd, also Mittelalter. »Seid froh, wenn wir euch nur den Namen nehmen?« Was könnte das noch bedeuten? Wollt ihr außer dem Namen noch mehr Grundrechte anderer Personen beschädigen oder einkassieren, obwohl das Grundgesetz besagt »Die Würde des Menschen ist unantastbar.«? Geht es auch um vermeintlichen Besitz, die Art sich zu kleiden, das freie Wort oder gar um das Leben anderer als Ganzes, ganz nach eurem Gusto und Willen? Wer wollt ihr sein, Richter?
Woher stammt der Hass auf Menschen, die nur einen etwas anderen Namen haben als man selbst?
Sollen künftig alle Menschen Müller heißen, damit bloß keiner einen vermeintlich besseren Namen haben kann? Eigentlich ist doch der Name, den man hat, der beste und in keiner Weise schlechter als jeder andere Name. Und wenn ich meinen Namen höre, weiß ich, dass ich gemeint bin. Wenn mir ein anderer Name von den Jusos aufoktroyiert werden soll, z.B. Herr Zahnstein, werde ich bestimmt damit nicht glücklich. Sollte euer Konzept aber darauf hinauslaufen, wünsche ich jedem, der in dieser Unart mit anderen umgeht, es möge ihm mit seinem Namen gleiches geschehen. Schon haben wir Gewalt in der Gesellschaft, die mit etwas mehr Toleranz überhaupt nicht nötig wäre.
Mit freundlichen Grüßen
von einem jahrzehntelangen SPD-Mitglied aus Winsen