#Bologna16

Zumindest für AkteurInnen, die einmal hochschulpolitisch aktiv gewesen sind, ist „Bologna“ noch immer ein Reizwort, bezeichnet der Bologna-Prozess doch die europaweite Einführung des Bachelor-Master-Systems, was zwar durchaus gut gedacht war, aber zumindest in den ersten Jahren und manche sagen, immer noch, in Deutschland grauenhaft umgesetzt. Was wahrscheinlich gar nicht mal so viele Menschen wissen: Der Ort Bologna wurde im Jahr 1999 nicht zufällig für die entsprechende Vertragsunterzeichnung gewählt. Tatsächlich ist die Universität Bologna die älteste Universität Europas und damit durchaus an sich eine Sehenswürdigkeit.

Aber was hat das nun mit uns Jusos Bremen zu tun? Vor einiger Zeit meldeten sich die GenossInnen unserer Partnerorganisation Giovani Democratici Bologna und fragten an, ob wir interessiert an einer Kooperation seien. Da wir dies waren, schickten wir Hilke, Sören und David zu einer ersten Sondierung vom 15. bis 18. September los.

In vielen italienischen Städten findet traditionell einmal im Jahr das „Festa de l’Unità“, welches ursprünglich von der Kommunistischen Partei ins Leben gerufen wurde, um die Parteizeitung „L‘Unità“, die wiederum von Antonio Gramsci himself (!!!) 1924 gegründet wurde, zu finanzieren. In Bologna, einer Stadt, die, wie wir erstaunt feststellen mussten, ebenso wie Bremen eine Tradition als „rote Stadt“ hat, dauert dieses Fest besonders lange, und zwar fast einen Monat. Das beeindruckte uns ziemlich, denn dieses Fest, organisiert von der Partei „Partito Democratico“ (PD) überwiegend mit zahlreichen Ehrenamtlichen, ist nichts anderes als ein Jahrmarkt mit Fahrgeschäften, Fressbuden und zusätzlich zahlreichen politischen Diskussionsveranstaltungen. Man täte der SPD Bremen wohl kein Unrecht zu sagen, dass das über so einen Zeitraum organisatorisch hier nicht möglich wäre. Wer sich übrigens fragt, ob die ganzen Ehrenamtlichen nicht eigentlich einen Monat lang arbeiten müssten: Das Fest öffnet erst gegen 18, 19 Uhr die Tore. Die Giovani Democratici  selbst organisierten eine Bar auf dem Fest, bei der es abends Livemusik und am Wochenende Disco gab und auch wir das eine oder andere Kaltgetränk genießen durften.

Gleich nach Ankunft wurden wir an Ort und Stelle gefahren, damit wir gleich DAS Highlight des gesamten Festes live mitbekommen durften. Matteo Renzi, Italiens Ministerpräsident und Chef der PD, kam persönlich nach Bologna, um über das Verfassungsreferendum zu diskutieren, an das er sein politisches Schicksal geknüpft hatte. Ohne alles erklären zu wollen geht es um eine Verkleinerung des Parlaments, eine Umstrukturierung der zweiten Parlamentskammer und eine Wahlrechtsreform. Die Stimmung war in den vergangenen Monaten Richtung Nein gekippt, nachdem die Mehrheit in den Umfragen lange als sicher galt und Renzi geschworen hatte zurückzutreten, wenn es scheitert. Sein Podiumsgegner war Carlo Smuraglia von der Associazione Nazionale Partigiani d’Italia (ANPI), dem Verband ehemaliger PartisanInnen, der aus historischen Gründen, also dem Kampf gegen den Faschismus, noch heute einen großen Einfluss auf die italienische Linke und auch die PD hat und die sich gegen das Referendum positioniert hat. Wir verstanden zwar kaum ein Wort, konnten aber beobachten wie die Diskutanten, allen voran Renzi, ordentlich einheizten. Das Referendum jedenfalls bleibt spannend.

Auch etwas Sightseeing durfte nicht fehlen. Bologna ist durchaus eine sehenswerte Stadt mit einem mittelalterlichen Kern, einer ganzen Menge Kirchen und vieler Gehwege, über die Arkaden gebaut wurden. Kulinarisch hat Bologna auch was zu bieten – und das nicht nur die Bolognese-Sauce, die, wie wir lernen durften, vor Ort eigentlich „ragù“ genannt wird. Alles aufzuzählen ginge zu weit, also belassen wir es dabei.

Die Giovani Democratici selbst scheinen ein Verband mit recht vielen Aktiven zu sein, so gibt es in Bologna, einer Stadt, die ein Stück weniger EinwohnerInnen hat als Bremen, offensichtlich fünf Unterbezirke (in Bremen zwei; allerdings ist unklar geblieben, wie viele denn so genau pro Unterbezirk aktiv sind) Gleichzeitig haben wohl einige das Gefühl, dass das Parteileben in der Partito Democratico zur Zeit etwas ausgehöhlt wird, da Renzi die Doppelfunktion als Regierungs- und Parteichef hat – obwohl sie grundsätzlich von seiner Arbeit als Regierungschef überzeugt sind. Wie dem auch sei: An Arbeit fehlt es der GD auch nicht!

Wir haben uns bei der Reise sehr wohl gefühlt und freuen uns darauf, in naher Zukunft eine offizielle Kooperation mit der Giovani Democratici Bologna zu starten.

Ciao

Hilke, Sören und David

 

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