Alte weiße Männer

von Hilke Lüschen

Immer wieder, wenn man von den Privilegien spricht, die alte weiße Männer in unserer Gesellschaft haben, kommt der Vorwurf zur Sprache, das sei ihnen gegenüber rassistisch und sexistisch. Weiße Männer seien mehr als nur ihre Hautfarbe und ihr Geschlecht und sie alle in eine Schublade zu stecken, würde der Vielfalt dieser Personengruppe nicht gerecht.

Nur um das mal klarzustellen: Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße und auch keinen Sexismus gegen Männer, zumindest nicht in unserer Gesellschaft. Rassismus und Sexismus haben etwas mit Machtstrukturen zu tun, es geht darum, dass eine Gruppe von Menschen, nur wegen ihrer äußeren Merkmale, in der Gesellschaft schlechter gestellt sind. Dass es ihnen schwerer fällt, in Positionen mit Macht zu gelangen. Das bedeutet aber auch, dass es eine Gruppe gibt, die besser gestellt ist, und das sind nun mal weiße Männer.

Weiße Männer genießen das Privileg, sich nicht mit Rassismus und Sexismus auseinandersetzen zu müssen, weil es sie nicht negativ betrifft. Aber sie profitieren (unabsichtlich) von einer Gesellschaft, in der sie nicht gefragt werden, ob sie denn ihr Kopftuch zur Arbeit tragen wollen, woher sie denn wirklich kommen oder ob sie ihre biologische Uhr ticken hören.

Natürlich können auch weiße Männer ungerecht behandelt werden, sie können gemobbt oder beleidigt werden. Aber sie können eben nicht aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts diskriminiert werden. Es gibt in unserer Gesellschaft eine Hierarchie. An oberster Stelle steht der reiche, alte, weiße Mann. Alle sollten so sein wie er und je weiter man von diesem Ideal entfernt ist, desto mehr Widerständen sieht man sich ausgesetzt.

Ein paar gute Beispiele dafür findet man in gängigen Beleidigungen. „Pussy“, „Schwuchtel“, „Du wirfst wie ein Mädchen“ „man up!“ oder „Lass dir mal ein paar Eier wachsen.“ zielen alle darauf ab, den Beleidigten als weiblich darzustellen. Es lohnt auch ein Blick auf die Wörter „herrlich“ und „dämlich“. Diese Hierarchie ist in unserer Gesellschaft und auch weltweit schon lange vorhanden und wird wohl auch nicht so schnell verschwinden.

Diese Art von Diskriminierung entspringt nicht absichtlich den Köpfen irgendwelcher bösartigen weißen Männer, die sich jeden Tag darüber freuen, wenn es anderen schlecht geht. Nicht jeder weiße Mann ist Harvey Weinstein oder Dr. Evil. Strukturelle Diskriminierung äußert sich, wenn wichtige Entscheidungen abends beim Bier getroffen werden. Oder wenn Christian Lindner allen anderen als sogenannten „Profis“ (Politiker*innen und Menschen in der Wirtschaft, also überwiegend weiß und männlich) das Know-How abspricht, kluge politische Entscheidungen zu haben. Oder wenn Frauen* gesagt wird, sie seien zu nett und könnten sich nicht durchsetzen. Dahinter muss keine böse Absicht stecken, damit es schädliche Auswirkungen hat. Darum müssen wir hingucken und uns zur Wehr setzen.

Dafür muss es aber einen Willen geben. Es kann schmerzhaft sein, den eigenen Privilegien ehrlich zu begegnen. Und natürlich fühlt man einen Verlust, wenn gegen diese Privilegien vorgegangen wird. Aber das ist noch lange keine Diskriminierung, die über Jahrtausende gepflegt wurde, die sich überall in der Welt wiederfindet und die weiße Männer strukturell daran hindern würde, in machtvolle Positionen zu kommen.

Nun wirklich nicht, Leute.

Hilke ist stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos Bremen und kandidiert auf Platz 23 der SPD-Bürgerschaftsliste. Wenn sie nicht gerade das Patriarchat bekämpft, geht sie gerne mit ihrem Hund Emma spazieren.

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